Fotzelpolitik und so…
Vom September 2025 bis im Sommer 2026 durfte ich am WZR Rorschach am Vorbereitungskurs für den eidgenössischen Fachausweis teilnehmen.
Nein, beim eidgenössischen Fachausweis geht es nicht darum, dass ich nun Lernende ausbilden darf. Der Berufsbildnerkurs war Voraussetzung, dass ich mich für die Weiterbildung & auch die Prüfung für den Fachausweis anmelden darf. Personen, die den eidgenössischen Fachausweis haben, sind befähigt einen Betrieb zu führen, dessen Schwächen & Risiken zu erkennen & Massnahmen abzuleiten. Personen mit so einem Fotzel sind also ziemlich krass. Viel mehr als nur Floristinnen & Floristen. Wobei vorher genannte auch ziemlich krass sind. Mit täglichen 9h Arbeitszeit, die meiste Zeit stehend am selben Platz, Saisonstress (der gefühlt nie endet, weil die nächste Saison kommt immer) & dem täglichen Kundenkontakt, der teilweise auch herausfordernd sein kann.
Was ich damit auszudrücken versuche: Den Beruf der Floristin & des Floristen ist nicht einfach. Egal ob EFZ, eidg. FA, Meisterflorist/in. Alle sind krass. Also hier mal ein HIPHIPHURRA auf alle Alltagshelden & -heldinnen die mit ihrem Fachwissen & Berufsstolz unsere Branche zum Blühen bringen!
Der Titel dieses Blogbeitrages bezieht sich bewusst auf etwas, dass ich lange dachte, sei evt. nicht so nötig. Falsch! Anders geschrieben: Ich hatte einfach KEINE Kapazität, mich mit den Themen zu beschäftigen, rund um Weiterbildung. Deshalb habe ich als Floristin mit EFZ Abschluss einfach mal so ein Business gestartet. Wer meine vorherigen Blog-Beiträge gelesen hat, weiss, dass nicht alles in voller Absicht geschah.
Immer wieder bin ich während der Zeit als selbstständige Floristin an meine Grenzen gestossen. Vorallem bei der Mitarbeiterführung & den Finanzen. Klar, ich bin emphatisch. Aber auch nicht, wenn vorwärts gearbeitet werden muss. Wenn Zeitdruck & Stress den Alltag beherrscht. Wenn ich für mich selber keinen Tag in der Woche habe, mein Nervensystem zu regulieren oder etwas zu tun, was mir früher mal Spass gemacht hat. Hobbies oder so. Hatte ich ganze 6 Jahre (!) keine. Weil ich zu erschöpft war, vom Alltag. Vom Delegieren. Vom “alles-im-Griff-haben”.
Zwischen den ganzen Abgründen habe ich immer wieder davon geträumt, zu einem Grossunternehmen zu wechseln; Den ganzen Tag auf Knöpfe drücken, Kaffee trinken & warten, bis die Zeit vergeht. Dabei einen gemeinsamen Feind mit meinen Mitarbeitenden zu haben - den Auftraggeber, Chef oder Teamleiter (Pronomen unbewusst gewählt). Ende des Monates kommt dann der Lohn, ich kann mir Dinge kaufen, die ich nicht brauche um dann Menschen zu gefallen die mich nicht mögen oder ich nie mögen werde.
Zudem kommt der Gedanke, der mir früher mal jemand in den Kopf gesetzt hat: ,,Vera, hättest du die ganze Zeit & Energie ins Immobiliengeschäft gesetzt, hättest du nun Millionen!”. Na, bravo. Das mag stimmen. Die Leidenschaft im Bezug auf die Immobilienbranche lässt nun einfach zu wünschen übrig bei mir. Also bleiben wir doch bei meinem Beruf als Floristin. Nun als Floristin mit eidgenössischem Fachausweis:
Was hat sich geändert? Was hat sich geändert, seit ich im Juli 2026 meine Prüfungen abgelegt habe, im September mein Diplom abholen durfte & nun weiterhin in meinem Geschäft arbeite? Ehm. Magst du echt noch weiterlesen?
Nichts & doch viel. Extrem wenig & alles. Mein Blick hat sich geändert: Auf Dinge wie Zahlen, Gestaltungen, Kommunikation, Marketing, Design, Führung, Zeitmanagement, Farben, Formen, Räume & noch vieles mehr. Aber vor allem hat es mich persönlich verändert. In einer Zeit der Transformation die Fragen gestellt zu bekommen, wer ich gestalterisch eigentlich bin & was ich mit meinem Unternehmen aussagen will, ist schon ein hartes Bisquit. Äs verdämmt Herts sogar!
Wie es nun weitergeht? Das zeigt die Zeit & mein nächster Blogbeitrag bestimmt.